Holacracy und Annahmen

Warren Buffet ist einer der erfolgreichsten Investoren weltweit. Er stellt sich immer wieder die Kernfrage: Wie sähe eine Unternehmung aus, wenn sich die ganze Belegschaft nach ihren Fähigkeiten einbringen könnte?

Der Multimilliardär investiert dann, wenn er das Potenzial in der Kultur sieht. Wenn sich Menschen stärken- und ressourcenorientiert in ihr Umfeld einbringen, entsteht ein enormer Aufschwung. In vielen Organisationen wird jedoch ein Grossteil der Energie, der Zeit und des Geldes dafür verwendet, Defizite auszumerzen, Fehler zu korrigieren und Dinge zu verbessern. Der Blick wird auf das Negative gerichtet. Von Potenzialnutzung kann kaum die Rede sein.

Unser Verhalten wird durch unsere Annahmen gesteuert. Unsere Führung ist von einem Menschbild des Machers geprägt. Macher sind sie dazu angehalten, andere zu bewegen, Konflikte zu lösen und über das eigene Limit hinauszugehen. Macher gehen davon aus, dafür zu sorgen, dass andere – ähnlich wie sie – auch machen können. In Tat und Wahrheit sorgen sie aber dafür, dass sie andere nicht machen lassen. Macher sind Engpässe für Entwicklung. Sie entmündigen ihr Umfeld, das sich irgendwann abgewöhnt, selbst Entscheidungen zu fällen. Macher machen Menschen unmündig. Die wenigsten Menschen sind nun aber wirkliche Macher – sie werden nur zu solchen gemacht. Es ist schwer, aus vorherrschenden Menschbildern auszubrechen. Wie aber wollen wir in einer Kultur leben, in der ein erheblicher Teil der geistigen Kraft darauf verwendet wird, sich zu verleugnen, um als Führungspersönlichkeit akzeptiert zu werden? Das schadet der Innovationskraft. Wie können dies ändern, indem wir uns ganz bewusst mit unseren Annahmen auseinandersetzen. Wenn wir unsere Annahmen ändern, können wir zu einem produktiveren Verhalten gelangen. Der folgende Annahmenkreislauf soll dies verdeutlichen

Wer sein Menschbild auf Vertrauen in sich und sein Umfeld aufbaut, der schafft Innovation. Wer sich und anderen vertraut, sieht andere als gleichwertige Partner an. Partner kontrolliert man nicht, man respektiert sie und lässt ihnen den notwendigen Freiraum für Entfaltung. Culture eats structure for breakfast. Kultur bietet eine enorme Chance für die Zukunft. Gute Mitarbeitende werden sich immer weniger auf autoritäre und selbstbezogene Führungsstrukturen einlassen. Sie wollen Freiräume, die sie selbst mitgestalten können. Genau das ist die Idee von Holacracy. Insofern ist Holacracy ein wirklungsvolles Führungsmodell, um den «war of talents» zu gewinnen.

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